Städtepartnerschaften
Seit mehr als 50 Jahren werden zwischen Kommunen in Europa Verschwisterungen begründet, die das Kennenlernen der Bürger und ihrer Verwaltungen sowie den kulturellen und gesellschaftlichen Austausch zum Ziele haben.
In Mörfelden - Walldorf besteht hierfür der Freundeskreis Städtepartnerschaft e.V. als parteipolitisch unabhängige Organisation. In Abstimmung mit der Stadt Mörfelden- Walldorf sowie den Parteien und Vereinen ( im Rahmen der Städtischen Kommission Städtepartner-schaften ) übernimmt er die gesellschaftspolitische Aufgabe, die Verschwisterung mit den Partnerstädten auf allen Ebenen zu pflegen und auszubauen.
Schon lange vor der Verschwisterung mit unserer jetzigen Partnerstadt Vitrolles gab es Bestrebungen auf kommunaler Ebene, internationale Kontakte aufzubauen. Als diese dann 1984 zwischen den Stadtverwaltungen besiegelt worden war, wurde es notwendig, eine über-parteiliche Organisationsform zu finden, mit der eine breite Basis in der Bevölkerung aufgebaut werden konnte. Zunächst bei der Volkshochschule angesiedelt, entwickelte sich 1986 der jetzige Freundeskreis Städtepartnerschaft e.V. Sein Partner in Vitrolles war das "Comité de Jumelage".
Der Verein initiiert, fördert und unterstützt bestehende und kommende Partnerschaften. Sein Ziel ist es, im Sinne der Völkerverständigung zu wirken, ungeachtet aller Nationalitäten, Rassen und politischen Auffassungen. Wir pflegen einerseits selbst Kontakte, unterstützen andererseits alle anderen Organisationen, Schulen, Verbände und Vereine, wenn es darum geht, Begegnungen über Grenzen hinweg zu ermöglichen. Hierbei ist es uns besonders wichtig, daß Menschen sich auseinandersetzen, Vorurteile abbauen, Verständnis füreinander finden und vielleicht auch zu Freunden werden.
Begegnungen und gemeinsame Veranstaltungen finden zur Zeit mit unseren Partnern in Vitrolles (seit 1998 ohne das nicht mehr aktionsfähige Comité de Jumelage) und (seit 1992) im niederländischen Wageningen statt; auch dort hat sich eine Gruppe ("Platform") gebildet, welche den Kontakt zu uns hält. Mit England hat sich eine direkte Schulpartnerschaft entwickelt.
Im Juli 1999 ist eine Partnerschaft mit der Waldensergemeinde Torre Pelice (Piemont) begründet worden, die wir ebenfalls betreuen.
Politische Veränderungen in Vitrolles (Erfolg des FN bei den Kommunalwahlen im Februar 1997 und 2001) stellten diese Partnerschaft auf die Probe.Wir haben jedoch den Auftrag unserer Stadt erfüllen können, die Verbindungen auf der Ebene der Bürger und Vereine aufrecht zuerhalten, nachdem die Stadtverordnetenversammlung im Februar 1997 das "Einfrieren" der Verbindungen auf politischer Ebene beschlossen hatte. Nach Abwahl des FN 2003 beginnt der Wiederaufbau der Beziehungen auf allen Ebenen: eine unabhängige "Association des amis de Mörfelden-Walldorf" wurde gegründet; auf Initiative
der Stadtverwaltung entstand 2008 ein neues, parteiunabhängiges „Comité de Jumelage“.
Wie kam es nun zu den Verschwisterungen?
Im Mai 1984 trifft eine Delegation aus Vitrolles (Bouche du Rhône) in Mörfelden-Walldorf ein, um sich nach einer möglichen Partnerstadt umzuschauen, nachdem man hier ab 1983 Interesse an Partnerschaften bekundet hatte und dies in Vitrolles bekanntgeworden war Der Vorschlag " Mörfelden - Walldorf " war einer von 3 und kam vom Zentral-Computer in Paris.
Kriterien waren:
-- Größe der Stadt
-- Nähe und Abhängigkeit von einer Großstadt
-- Ähnliche politische Landschaft
-- Flughafen - Anrainer
Der Anstoß kam also aus Vitrolles.
Es entwickeln sich Gespräche. Im Juni 1984 fuhr eine städtische Gruppe aus Mörfelden - Walldorf (Wilhelm Jourdan, Herbert Justus, Reinhold Jakob, Peter Stein) nach Vitrolles, um sich die Stadt anzuschauen. Im Sommer festigte sich der Wille zur Partnerschaft und am 6. September beschloß die Stadtverordnetenversammlung, die Verschwisterung einzugehen, die dann Mitte Oktober von beiden Seiten vereinbart wurde. Die Bürgermeister Brehl und Jourdan unterzeichneten im Herbst die Verschwisterungs-urkunde in Vitrolles; zur gleichen Zeit hatte die Volkshochschule eine Orchesterfahrt mit Herrn Pfortner dorthin organisiert.
Am 26. September 1984 fand auf Initiativeauf Initiative von Baldur Schmitt (1. Kreisbeigeordneter) per Einladung durch die VHS ein Treffen von 32 Mörfelden - Walldorfer Bürgern statt mit dem Ziel, die Verschwisterung auch außerparteilich zu unterstützen. Daraus entwickelte sich ein Arbeitskreis, der sich sofort " Freundeskreis Städtepartnerschaft " nannte. Am 1. Dezember wurde die Rückverschwisterung im Bürgerhaus Mörfelden begangen.
Mitglieder des neuen Freundeskreises fuhren Anfang März 1985 nach Vitrolles und beschlossen am 29. Oktober die Gründung eines eingetragenen Vereins " Freundeskreis Städtepartnerschaft ". Mitte Dezember schlug Roger Fischbach vor, die Westtangente in Vitrollesring umzubenennen. Der Vereinsvorstand unterstützte dies und die Stadt faßte einen entsprechenden Beschluß.
Am 26. Januar 1986 wurde der "Freundeskreis Städtepartnerschaft e.V." (FKS), gegründet. Erster Vorstand: Julie Schliephake (Vorsitzende), Jan Kakrow, Helmut Mühlmann, Klaus Wolff, Roger Fischbach, Frank Biletzki, Eliane Creter, Irene Schmitt und Kerstin John.
Im November 1986 bemühte sich der Freundeskreis auf Anregung von Helmut Mühlmann um den Aus-tausch zweier regionstypischer Wegweisersteine mit den Wappen der Partnerstädte und dem Entfernungs-hinweis. Roger Fischbach, alias "Obelix", transportierte mit einer kleinen Gruppe des FKS unseren Stein nach Vitrolles. Die offizielle "Steinpflanzung" und Enthüllung an der Avenue Mörfelden - Walldorf fand während einer Jugendfreizeit der TGS und des Stadtjugendringes in Anwesenheit von Bgm. Brehl und Familie Schliephake statt.
Entsprechend wurde am 6. Mai 1987 in Walldorf, an der Schnittstelle des 50. Breitengrades und des Vitrolles - Ringes (1000 km von Vitrolles) ein Stein aus Frankreich eingeweiht. Aus Vitrolles waren dazu Bgm. Anglade, M. Camus und Christiane Souchon sowie eine Schülergruppe gekommen.
Nach mehr als 10 Jahren guter Partnerschaft verstärkten sich die politischen Einflüsse nach dem Wahlerfolg des Front National 1997. Dabei wurde u.a. der Stein in Vitrolles beschmiert. Während einer Freizeit im Juli 1998 ist er von unseren Jugendlichen wieder in den Originalzustand gebracht worden, um die andauernde Verbundenheit mit Vitrolles zu dokumentieren. Nach Abwahl von FN unterstützt die neue
Stadtverwaltung (seit 2003 unter Bgm. Obineau) inzwischen auch offiziell die Partnerschaft.
Im September 1987 wurde vom Freundeskreis Städtepartnerschaft beschlossen, mit Macclesfield (England) Grafschaft Cheshire, Kontakt aufzunehmen; eine FKS- Delegation (Isolde Koch, Claire Linke, Ursula Mühlmann, Julie Schliephake, Roger Fischbach, Horst Vehling) fuhr im November 1987 dorthin. Der erste Jugendaustausch mit Cheshire fand Ostern 1988 statt; weiterhin entwickelte sich ein Schüleraustausch, der bis heute fortgeführt wird. Zu einer offiziellen Städtepartnerschaft kam es nicht.
Die sogenannte Friedenspartnerschaft (seit 1985) mit der niederländischen Stadt Wageningen wurde am 18. September 1992 durch die beiden Stadtverwaltungen in eine Städtepartnerschaft überführt. Damit konnte der Freundeskreis endlich seine Aktivitäten gemeinsam mit den niederländischen Freunden ("werkgroep") entwickeln. Neben den jährlichen Treffen zum 5. Mai (Kapitulationstag 1945) gibt es regelmäßige Besuche von Vereinen und Bürgern. 1997 wurde die neue Verbindungsstraße in Anwesenheit von Bgm. Sala nach der Stadt Wageningen benannt. An der Vorbereitung und Durchführung der Niederländischen Wochen 1998 in Mörfelden - Walldorf waren die beiden Partnerschaftsvereine beteiligt. Im Mai 1999 hat, organisiert durch den Freundeskreis Städtepartnerschaft, eine Gruppe von Oberstufen- Schülern und Lehrern über die Geschichte der Waldenser in Walldorf geforscht. Seitdem finden jedes Jahr
gegenseitige Besuche, Ausstellungen und Veranstaltungen statt.
Mit der piemontesischen Gemeinde Torre Pellice, einem der Herkunftsorte der Waldenser, die Walldorf 1699 gründeten, bestanden bereits Kontakte im kirchlichen Bereich. Im Juli 1999 wurde die offizielle Städtepartnerschaft vereinbart und --meist mit Unterstützung des FKS-- ein reger Austausch von Gruppen, Vereinen, Orchestern und der Stadtverwaltungen aufgenommen.
Im Sommer 2008 gelang es der TGS Walldorf und dem Freundeskreis, ein gemeinsames Tennisturnier mit allen drei Partnerstädten in Mörfelden - Walldorf durchzuführen. Diese Veranstaltung soll nun in jedem Jahr durchgeführt werden.